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Die medizinische Erklärung



In den ersten Tagen nach der Geburt ändert sich bei fast jedem zweiten Neugeborenen die Hautfarbe. Diese Gelbfärbung (Ikterus), die manchmal auch die Augen betrifft, kann unterschiedlich intensiv sein und bildet sich normalerweise innerhalb von 2 Wochen zurück. Man spricht dann von einer frühen Form der Gelbsucht, die meistens harmlos ist. In Ausnahmefällen kann dieser Ikterus des Neugeborenen aber auch das erste Symptom für eine schwerwiegende Erkrankung sein. Daher muss rechtzeitig mit einer weiterführenden Diagnostik begonnen werden. Dies ist besonders wichtig bei der Diagnose "Gallengangatresie", einer Erkrankung, die ausschließlich bei Säuglingen und auch dann nur innerhalb der ersten Lebenswochen auftritt. Es ist eine der wenigen Lebererkrankungen, bei der die Chancen auf einen günstigen Krankheitsverlauf um so besser sind, je früher die Diagnose gestellt und eine operative Therapie eingeleitet wird.
Das Problem der Gallengangatresie ist sehr vielschichtig. Zum einen ist die Erkrankung sehr selten, da sie nur bei einem von ca. 12.000 Neugeborenen auftritt. Bezogen auf alle Geburten in Deutschland müssen wir mit ca. 60 Fällen pro Jahr rechnen. Viele dieser Patienten benötigen früher oder später eine Lebertransplantation. Da die Gallengangatresie heute die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation im Kindesalter ist, bekommen auch die vermeintlich kleinen Fallzahlen ein großes Gewicht, da Spenderorgane nur begrenzt verfügbar sind.
Bei der Diagnostik und Therapie der Kinder mit Gallengangatresie sind noch nicht alle Probleme gelöst. Mit dieser Seite wenden wir uns an alle Interessierten und Betroffenen und bieten die Möglichkeit, sich in allgemeinverständlicher Form über die Gallengangatresie zu informieren. In unserem Forum können Sie untereinander Kontakt aufnehmen, Anregungen geben und Fragen stellen.
Erste Berichte über Neugeborene mit Gallengangatresie stammen bereits aus dem 19. Jahrhundert und schildern Verläufe, die binnen 2 Jahren unweigerlich zum Tode führten. Das ist heute zum Glück nicht mehr der Fall. Aber immer noch streiten Experten darüber, wann und wodurch die Gallengangatresie tatsächlich ausgelöst wird. Bis etwa 1970 ging man davon aus, dass es sich um eine angeborene Erkrankung handelt, die schon im Mutterleib entsteht. Heute weiß man aber, dass es eine Entzündung ist, die alle Gallenwege betrifft, und zwar sowohl die außerhalb als auch die innerhalb der Leber verlaufenden. Leider ist es aber noch nicht klar, woher diese Entzündung kommt und wie man sie aufhalten bzw. behandeln kann
Wahrscheinlich gibt es einen Auslöser, der kurz nach der Geburt eine entzündliche Reaktion in Gang setzt, auf die das zu diesem Zeitpunkt noch unreife Immunsystem des Säuglings zu spät oder sogar falsch reagiert. Was diesen Entzündungsprozess nun allerdings in Gang setzt, weiß man nicht. Es wird vermutet, dass Viren, Bakterien, Schadstoffe oder sonstige Umwelteinflüsse eine Rolle spielen können. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Bemerkenswert ist es, dass es diese Erkrankung ausschließlich beim Neugeborenen gibt. Erst wenn wir die Mechanismen der Gallengangatresie und deren Ursache wirklich kennen, können wir sie auch richtig behandeln, oder in Zukunft vielleicht sogar verhindern.


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