Wie mein Mann schon geschrieben hatte, war ich mit Denise in Dortmund in der
Mutter-Kind-Klinik.
Als wir auf der Station ankamen, sollten wir uns im Zimmer einen Kittel anziehen und
das bei unserer Tochter! Ich habe gedacht, was soll das denn? Denise muss doch mit
unseren Bakterien klar kommen! Ich hätte es noch verstanden, wenn es sich um andere
Babys gehandelt hätte. Denise und ich hatten ein eigenes Zimmer, was ja ganz toll war,
nur nach 4Tagen konnte ich nicht mehr bei ihr bleiben, weil meine Nerven unten
waren. Ich konnte selber kaum essen, weil ich mir sehr viele Sorgen um Denise
gemacht habe. Ich durfte nicht eher gehen, als bis Denise schlief und auch keinen
Kontakt zu anderen Eltern haben wo man sich mal hätte austauschen können. Ich
kam mir vor wie im Knast. Mein Mann musste mich immer wieder neu aufbauen, nach
4Tagen konnte er mich nicht mehr aufbauen, ich wollte einfach nur noch nach
Hause. Selbst Denise hat es zum Schluss gemerkt, so dass sie nachts bei mir
schlafen musste, anders ging es nicht mehr. Kleine Babys kriegen es mit und
Denise war 3Wochen alt zu dem Zeitpunkt, auf jeden Fall drehten Denise und ich
sich im Kreis. Je unruhiger ich wurde, wurde es auch Denise, ich war immer froh,
dass mein Mann da war, der das unterbrach, so dass Denise und ich wieder runter kamen.
Wehe er konnte einmal ein nicht kommen, weil er auch arbeiten musste das war dann
für Denise und für mich die Hölle. Wenn mein Mann da war, hatte er die ruhige
Hand um Denise wieder zu beruhigen. Ist doch auch in Ordnung, dass mein Mann da
war, um uns wieder aufzubauen. Ich durfte nach Anweisung der Schwestern gar nichts mit
der Kleinen machen wie z.B. rausgehen, obwohl Sie am Tropf hing, der aber auch am
AKKU weiter lief. Ich durfte auch nicht mit ihr durch den Flur laufen, wir waren
nur im Zimmer und dort sollten wir bleiben. Wie im Knast. Das einzige was ich
durfte war unsere Tochter im Arm zuhalten. Sonst lag sie nur im Bett. Zum
Schluss musste ich Denise bei mir schlafen lassen im Bett, sie hat dann hinten
an der Wand geschlafen und ich habe den Tropf auf einen Stuhl hinterm Bett gestellt. Ich
hatte dort eine Steckdose, wo das Gerät weiter lief. Es ging nicht mehr
anders, bei mir hat sie dann süß und selig weiter geschlafen. Das war am
letzten Tag, wo ich noch bei ihr war. Als die Untersuchungen stattfanden, da konnte ich
endlich mal richtig raus und einkaufen gehen. Ich war an diesen Tag besonders
schlecht drauf, als mein Mann mich anrief und mir sagte, dass er noch eben vorbei kommt. Ich war erleichtert, normalerweise musste er arbeiten, aber als hätte er
es im Gefühl gehabt das ich ihn jetzt brauche. Trotzdem er fast jeden Tag da
war, haben wir immer miteinander telefoniert, und ich habe immer geheult am
Telefon, bis ich nicht mehr konnte zum Schluss.
Auf jeden Fall sagte eine Schwester, die das mitbekommen hatte, ich solle doch
mal für paar Tage nach Hause fahren, sie würden schon auf unsere Tochter
aufpassen. Es war das erste Mal, das ich unsere Tochter allein lassen musste.
Ich habe mich entschieden zu fahren.
Zu Hause sagte ich zu meinem Mann, dass ich für die Zeit wo sie im Krankenhaus
liegt, zu Hause bleibe und jeden Tag nach Dortmund fahre, er war damit
einverstanden.
Ich konnte wieder normal essen, weil ich den ganzen Frust und meine Angst
loswerden konnte und wir haben ganz lange noch abends geredet. Das fehlte mir im
Krankenhaus, mit anderen Eltern reden. Ein paar Tage später fand die Kasaioperation statt.
Denise kam einen Tag vorher auf die Intensivestation. Ich musste meinen Mann anrufen,
der war den ganzen Tag in Köln, er musste wegen der Aufklärung und der
Unterschrift kommen.
Das Schlimmste war, dass Denise uns nicht mehr wiedererkannt hat. Sie hatte was
zur Beruhigung bekommen. Wir hatten alle Angst, dass Sie die OP nicht übersteht,
weil Denise noch klein und zierlich war. Bei der Geburt hatte sie 2730Gramm
gewogen, nach der OP wog Sie ca. 2500Gramm. Denise lag fast 3 Wochen auf der
Intensivstation und 5 Tage auf der normalen Station. Ich war fast jeden Tag bei
ihr, auch wo Sie auf der Intensivstation lag. Die Atmosphäre auf der
Intensivstation war ganz anders, ich hatte Kontakt zu anderen Eltern. Wenn ich
bei ihr geblieben wäre, wäre ich mit ihr wieder auf ein Einzelzimmer gekommen,
das wollte ich mir nicht nochmal antun. Also bin ich morgens zu ihr gefahren und
nachmittags so gegen 16 Uhr nach Hause gefahren. Das mit der Kinderklinik in
Dortmund war für mich die schlimmste Zeit gewesen. Wenn man dort nicht einfach
mit seinen Ängsten allein gelassen würde. Es kam jeden Tag ein Arzt,
auch mal mehrere, und ich hörte nur "ja ja und aha", keiner erzählte mir was los ist.
Selbst mein Mann hat aus den Ärzten nichts herausbekommen. Hätte ich zumindest
mit anderen reden können, es wäre doch besser gewesen. Das Einzelzimmer war ja
nicht das Schlimmste, sondern der Konntakt war dort nicht möglich. Dort hatten
wir ja Ruhe, so dass Denise und ich schlafen konnten. Das ganze Drumherum war
schlecht.


