Eigentlich sagte uns so ziemlich jeder, daß es für ihn selbstverständlich
wäre, für sein Kind zu spenden.
Doch diese Leute haben noch nicht in dieser Situation gesteckt.
Ich war ziemlich fein raus, meine Blutgruppe stimmt nicht, die meiner Frau
passt.
Sie hat noch heute eine Scheissangst vor dieser Operation (Ich hätte sie
übrigens auch). Die OP ist risikoreich, die Aufklärungsgespräche ziemlich brutal.
Auch wenn die Ärzte durch die ganzen Voruntersuchungen das Risiko minimieren
wollen, scheuen Sie sich nicht klar darüber aufzuklären, daß auch hier für
Mutter und Kind so ziemlich alles schiefgehen kann, was man sich vorstellen
kann.
Das Thema Leberlebendspende wurde in Essen damals sehr schnell angesprochen,
ganz klar, vollkommen ohne Druck, wir wurden darüber informiert, dass Essen
dieses anbieten würde und bekamen eine Menge Informationsmaterial gestellt.
Unter anderen bekamen wir auch über die Krankheit unserer Tochter Unmengen von
Informationen. Im gleichen Zuge möchte ich mich hier beim Gastroteam in Essen
wirklich bedanken, die wie damals in Dortmund versprochen, sich neben der
Gesundheit unserer Tochter auch sehr intensiv um die Eltern kümmern. Selbst die
noch so banalste Frage wurde als absolut wichtig eingestuft. Wir haben in der
Woche, als die ganzen Voruntersuchungen bei unserer Tochter gemacht wurden, fast
jeden Tag mindestens 1 1/2 Stunden mit dem Arzt gesprochen.
Ich war von Anfang an fein raus, durch eine sehr große Operation im Jahre 2000
bei der ich sehr viel Antibiotika bekommen hatte, obwohl meine Unverträglichkeit
bekannt war (es ging halt nicht anders), ist meine Leber starkt vorbelastet,
außerdem stimmt meine Blutgruppe nicht. Die meiner Frau stimmte.
Das Thema Lebendspende war in unserer Familie als Thema immer gegenwärtig. Ich
muss von mir sagen, daß ich meiner Frau von vorneherein jeglichen Druck für eine
Entscheidung genommen habe, weil ich einfach gegen die Lebendspende war und
meine Entscheidung auch für Sonja gegen andere verteidigt habe. (Siehe
Einstellung erster Absatz). Heute bin ich zwar immer noch dagegen, aber im
gleichen Zuge respektiere ich die Entscheidung meiner Frau.
Ich als Mann meiner Frau muss gegen die Lebendspende sein, weil ich niemals die
Gesundheit meiner Frau über das Leben meiner Tochter stellen darf. Jedoch muss
ich auch akzeptieren, dass meine Frau sich für das Kind entscheidet.
Ich habe niemals auf irgendeine Art und Weise irgendwelchen
Druck ausgeübt. Wir haben einfach nur viel miteinander gesprochen und können
heute mit den Entscheidungen ziemlich gut leben.
Mitte Juni erklärte mir meine Frau, daß sie sich entschieden hatte, für unsere
Tochter zu spenden.
Beim nächsten Besuch, in der Gastroambulanz, bekamen wir dann gleich einen
Termin für die Untersuchungen. Seitdem waren wir jede Woche in Essen.
Folgende Untersuchungen wurden bis jetzt gemacht
· Vollständige Blutuntersuchung
· Eine Urinuntersuchung
· Aufnahme der gesamten Krankheitsgeschichte
· Psychologische Untersuchung
· Eine Röntgenuntersuchung der Lunge
· Leber CT mit Kontrastmittel
· Ein EEG und ein Belastungs EKG
· Ein Lungenfunktionstest
· eine weitere Blutuntersuchung
· Vorstellung beim Internisten
· Aufklärung vom behandelden Arzt
· Aufklärung vom Anästhesisten
· Vorstellung bei der Ethikkommission
Die Ethikkommission steht noch aus, sie wird erst am 05.08.04 stattfinden, man
teilte uns jedoch vorher mit, daß es wohl keine Probleme geben würde, da Sonja
die Mutter des Kindes ist und damit die Kommission nur reine Formsache ist.
Am schlimmsten war die psychologische Untersuchung, bzw. das Ergebnis. Man soll
mal einer Mutter erklären, körperlich bist Du in der Lage zu spenden, leider
psychisch nicht !!!
Bis jetzt sind alle Ergebnisse gut. Trotzdem habe ich den Weg gewählt, die
Befunde einen sehr gut befreundeten Chirurgen vorzulegen, da ich grundsätzlich
keinem Arzt vertraue (Es gibt eine Menge Ausnahmen).
05.08.2004
Heute war der Termin bei der Ethikkommission, wir waren alle sehr aufgeregt,
aber im Nachhinein war die Kommission nicht so schlimm. Der Vorsitzende kam
Sonja abholen mit den Worten, "Sie sind ja die Mutter des Kindes, also wird schon
alles gutgehen." Die Befragung hat ca. 20 Minuten gedauert, dann wurde Sonja
rausgebeten, und 10 Minuten später wieder reingeholt. Sie darf also spenden.
Das Gespräch danach mit dem Arzt verlief auch sehr positiv. Sonja sagte auf
einmal, ich darf spenden, ich will nicht das es Denise noch schlechter geht.
Wann ist der OP-Termin.
Es kam dann doch wenige Tage vor der Lebendspende zur Fremdspende.


